Bald Tunnel durch die Ostsee?
Jan 24th, 2011 | By admin | Category: Aktuelles, DeutschlandSeit 1963 wird Fehmarn – bis zur Wiedervereinigung die größte Insel Deutschlands – durch eine Brücke über die Ostsee mit dem Festland verbunden. Dies hat zum einen den Tourismus auf dem Eiland angekurbelt, diese aber zum anderen auch zum wichtigsten Umsteigepunkt für Autofahrer gemacht, die mit der Fähre nach Dänemark übersetzen, um dort zum Beispiel ihren Urlaub zu verbringen. Weil der Umstieg aufs Schiff jedoch nach wie vor notwendig ist, und die Gesamtdauer, beispielsweise der Strecke Lübeck-Kopenhagen, enorm verlängert, wird seit Jahren über eine Brücke über den Fehmarnbelt nachgedacht, jener Wasserstraße, die das deutsche Fehmarn von Dänemarks größter Insel Seeland trennt.
Das Projekt wird ausschließlich von Dänemark finanziert, und so obliegen sämtliche die Durchführung des Vorhabens betreffenden Entscheidungen unserem Nachbarland. Dieses erregte am Wochenende mit der Meldung Aufsehen, dass man vom Plan, eine Brücke zu bauen, abgerückt sei, und stattdessen den größten Absenktunnel der Welt bauen möchte, um die ca. 17,5 Kilometer von einander entfernten Städte Puttgarden (D) und Rodby (DK) mit einander zu verbinden. Aufgrund zahlreicher Vorteile gegenüber einem Brückenbau erfreut sich die Tunnel-Idee auf dänischer Seite offenbar großer Zustimmung, in Deutschland wiederum sieht man eine feste Überquerung des Fehmarnbelt – unabhängig davon, ob über oder unter dem Wasser – grundsätzlich kritisch.
Umweltverbände, Eisenbahner und mehrere Regionalverbände von Parteien wie der SPD oder den Grünen sehen den Artenschutz in der Ostsee durch eine Fehmarnbeltquerung gefährdet oder fürchten die Belastung durch nachgelagerte Kosten, z.B. durch einen Ausbau der Autobahn nach Puttgarden, weshalb sie die jetzige Kombination aus Bahnanreise und Fährüberfahrt bevorzugen. Welche Folgen der Tunnelbau für den Tourismus auf Fehmarn und auf Seeland haben wird, bleibt abzuwarten. Kürzere Anreisewege nach Dänemark könnten den dortigen Fremdenverkehrssektor durchaus stärken, vielleicht auch zu Lasten der deutschen Ostseeinseln Rügen, Usedom und Fehmarn, die bereits jetzt ohne Schiffsüberfahrt erreichbar sind, dann aber ihren “Standortvorteil” verlieren würden.